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Die Welterbe-Stiftung als Kümmerin

Von Gerhard Lenz

Neben dem fröhlichen, Mut machenden Gruß „Glück auf!“ lautet ein Satz aus der Bergmannssprache, der häufig benutzt wird, wenn man nicht genau weiß, was die Zukunft bringen wird: „Vor der Hacke ist es duster.“ Als wir vor drei Jahren als Stiftung Welterbe im Rahmen von TRAFO die Kooperation mit den vier kleinen Bergwerksmuseen im Oberharz begonnen haben, wussten wir nicht, was uns erwartet. Gemeinsam haben wir uns an die Arbeit gemacht und Licht ins Dunkel gebracht oder profaner: Wir haben gemeinsam festgestellt, vor welchen Herausforderungen wir stehen:

Erstens weisen die Einrichtungen zum Teil erhebliche bauliche Defizite auf. Daraus resultiert ein nicht gerade kleiner Sanierungsbedarf. Der Grund: Die Häuser haben zu wenig finanzielle Mittel, und es gelingt ihnen nicht, zusätzliche Fördermittel einzuwerben.

Zweitens werden die Einrichtungen von hohem ehrenamtlichem Engagement getragen. Es gibt aber leider ein Nachwuchsproblem, sodass es zum Beispiel immer schwieriger wird, attraktive Öffnungszeiten zu organisieren.

Drittens sind die Ausstellungen in authentischen Orten wie den Schachtanlagen zwar spannend, aber sie müssten didaktisch neu aufbereitet und moderner vermittelt werden, um vor allem mehr jüngere Besucherinnen anzuziehen.

Viertens ist es für die kleinen Einrichtungen schwer, sich selbst zu vermarkten und personelle Ressourcen aufzubringen, um miteinander zu kooperieren.Die Stiftung Welterbe im Harz hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, die Museen zu qualifizieren und stärker zu vernetzen. Wir sehen, dass es in der Fläche sehr viele ähnliche Einrichtungen gibt, die von Vereinen getragen werden, in denen sich Ehrenamtliche um den Betrieb kümmern. Das heißt, dass die Einrichtungen überhaupt geöffnet und Führungen angeboten werden. Es lohnt, diese authentischen Orte des kulturellen Erbes zu erhalten. Dafür benötigen sie aber Unterstützung. Und diese Unterstützung kommt nun von zwei Seiten: von der Stiftung Welterbe im Harz, die sich vor allem um den konzeptionellen Wandel kümmert, und vom Landkreis Goslar, der den Transformationsprozess im Bereich des Kulturmanagements unterstützt. Diese Zusammenarbeit ist sehr positiv und immer auf Augenhöhe.

Wer kümmert sich?

Nachdem zunächst an der inhaltlichen Ausrichtung der Museen gearbeitet wurde, haben wir erkannt, dass sie sich auch organisatorisch neu aufstellen müssen. Denn diejenigen, die sich – oft ehrenamtlich – um die Museen kümmern, und ohne die es nicht gehen würde, werden älter, und es wird immer schwieriger, jüngere Menschen für diese Arbeit in den Museen zu begeistern. Daher besprechen wir gerade mit drei der vier am Prozess beteiligten Einrichtungen, welche Trägerschaften infrage kommen, um die Museen zu sichern. Im Verbund konnten wir die großen Herausforderungen angehen, die jedes Museum für sich alleine nicht gemeistert hätte. Das Ziel ist, den Besuchern ein vielfältigeres Museumserlebnis anzubieten und somit auch die Besucherzahlen zu steigern. Schon jetzt ist klar: Durch die Zusammenarbeit ist jede einzelne Einrichtung besser geworden.Zudem hat die Kooperation allen Beteiligten vor Augen geführt, dass belastbare, auf Vertrauen aufgebaute Organisationsstrukturen und ein „Kümmerer“ unbedingt vorhanden sein müssen, um museale Strukturen in der Fläche des Raums zu halten und zu beleben. Kümmerin waren in diesem Fall wir als Stiftung Welterbe, die größte Partnerin im Verbund. Aber es muss natürlich nicht notgedrungen eine Stiftung sein. Unsere Rolle könnte auch eine andere größere Kultureinrichtung oder eine kommunale Verwaltung übernehmen.

Kultur schafft Identität

Die Situation ist an vielen Orten in Deutschland sehr ähnlich: Um zu verhindern, dass immer mehr – gerade auch junge – Menschen vom Land in die Städte ziehen, reicht es nicht, attraktive Häuser und Wohnungen zur Verfügung zu stellen oder darauf zu hoffen, dass die Wirtschaft vor Ort gute Gehälter zahlt. Vielmehr besteht das Bedürfnis, das eigene Zuhause und sein Umfeld als einen „besonderen Ort“ zu erleben. Und das meint nicht das Wohnzimmer, sondern die unmittelbare Umgebung: authentische historische Orte, intakte Naturensembles, musikalische oder sonstige Inszenierungen in „heimischer Umgebung“. Kultur ist ein entscheidendes Merkmal. Sie wird auf dem Land von Menschen geprägt, die in kleinen Kultureinrichtungen oder Vereinen meist ehrenamtlich tätig sind.

Das kulturelle Potenzial und der pflegliche Umgang damit, bilden das Rückgrat neuer Wertschöpfung. Sie sind Grundlage einer touristischen Vermarktung, zumindest dann, wenn es sich nicht um Centerparks oder künstlich beschneite Skipisten handelt. Gerade hier sind administrative Kümmerer notwendig, um eine Balance zwischen der Ökonomisierung von Lebensräumen und der bürgerschaftlichen Nutzung zu gewährleisten. In diesem Sinne: Glück auf!

 

Gerhard Lenz ist Stiftungsdirektor der Stiftung Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft.