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Das Jacobson-Hauses in Seesen kooperiert mit der HAWK in Hildesheim

Das Jacobson-Haus liegt im Zentrum der Stadt Seesen. Doch der davor befindliche Platz lädt nicht wirklich zum Verweilen ein. Die Türen des Hauses sind aus Brandschutzgründen immer geschlossen, das Treppenhaus wirkt zunächst dunkel und wenig einladend. Die Einrichtungen und Vereine im Jacobson-Haus wollen an dieser Situation gerne etwas verändern. Sie wünschen sich ein Haus, das bereits im Außenbereich zum Verweilen und Erkunden einlädt. Gemeinsam mit Professoren und Masterstudierenden der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim (HAWK) sind sie diesem Wunsch inzwischen einen großen Schritt näher gekommen. Die Designstudierenden haben sich dem Haus unbefangen genähert. Sie haben ihren eigenen Blick eingebracht, Sichtachsen verändert und den Platz mit virtuellen Möbeln, Spiegeln und wegweisenden Elementen spielerisch belebt. Die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten hat allen Beteiligten großen Spaß gemacht. Das zeigte sich auch bei der Zwischen- und Endpräsentation der Designvorschläge, zu der viel mehr Bürgerinnen und Bürger gekommen waren, als erwartet. Die überraschenden Ergebnisse sind auf große Zustimmung getroffen. Jetzt fällt der Stadtrat die Entscheidung, welche der Vorschläge umgesetzt werden sollen.

 

Kultur trifft Design – Interview mit Thorsten Scheerer

Der Leiter des Projekts „Jacobson-Haus“, Thorsten Scheerer, berichtet im Interview über die Zusammenarbeit mit der HAWK Hildesheim.

Lieber Herr Scheerer, Sie wollen in Seesen ein offenes, generationsübergreifendes und multifunktionales Kulturzentrum schaffen. Können Sie kurz Ihre Pläne schildern?

Thorsten Scheerer: Das Bürgerhaus gehörte zur alten Jacobson-Schule. Seit über 40 Jahren nutzen Vereine das Gebäude, früher war hier außerdem das Sozialamt untergebracht, heute die Stadtbücherei, eine Jugendfreizeitstätte und das Stadtmarketing. Die Bedürfnisse der Nutzer sind sehr unterschiedlich. Manche Vereine haben weiterhin große Räume, obwohl sie heute keine 100, sondern nur noch wenige Mitglieder haben. Andere sind gewachsen und haben keinen Platz. Wir wollen das Haus neu denken, seinen Inhalte klug sortieren, damit alle Vereine weiterhin im Jacobson-Haus eine Heimat haben können. Gleichzeitig sollen ein moderner Veranstaltungsbereich geschaffen, die Bücherei modernisiert, und andere soziokulturelle Projekte Platz finden. Wir wollen mit dem Jacobson-Haus das gesellschaftliche Miteinander fördern und alle einladen, an Kultur und Bildung teilzuhaben und sie mitzugestalten.

Vor welchen Schwierigkeiten stehen Sie?

Scheerer: Zunächst stehen wir vor der banalen Schwierigkeit, dass durch den Umbau des Hauses Räume entstehen müssen, die neue Ideen aufnehmen können. Wir befinden uns in einer Phase, in der mit jedem baulichen Fortschritt die Veränderungen spürbar werden und in der die Bürgerinnen das Haus als „ihren“ Ort erkennen und mittlerweile auch Konzepte für Gemeinschaftsprojekte einbringen.

Zur Umsetzung Ihrer Transformationsvorhaben arbeiten Sie seit kurzem mit Studenten der Designabteilung der Hochschule für Angewandte Kunst und Wissenschaft (HAWK) in Hildesheim zusammen. Es soll eine bewusst kreativ künstlerisch angetriebene Kooperation werden. Warum haben Sie sich speziell für diese Form des Inputs entschieden?

Scheerer: Ein Aspekt unseres Transformationsvorhabens liegt im Gebäude begründet. Der Schulbau von 1889 wirkt von außen wenig einladend und von innen einengend. Die Nutzerinnen des Hauses, aber auch Bürger der Stadt, wurden in verschiedenen Workshops in die Pläne für das Gebäude eingebunden. Das ganze Haus, aber auch speziell der Eingang sollen freundlicher, wärmer und offener gestaltet werden. Dazu haben wir mit der HAWK Hildesheim einen Partner gefunden. Es geht dabei nicht um eine Auftragsarbeit, die wir vergeben haben. Wir wollen die Ideen junger Studierender kennen lernen. Die haben ein Wochenende im Gebäude verbracht und Bürgerinnen und Nutzer des Hauses befragt, und anschließend nach ihren Vorlieben und Interessen einzelne Fragen beantwortet. Der Vorteil dieser Umsetzung liegt darin, dass einerseits die Menschen vor Ort eingebunden werden, andererseits völlig neue kreative Impulse gesetzt werden. Dies ist ein spannender Prozess, den wir in den nächsten Monaten in einer weiteren Phase fortsetzen wollen.

Wie plant man eine solche Zusammenarbeit? Was sind die Spielregeln?

Scheerer: Zunächst haben wir mit den Professoren der Hochschule über die Projektstruktur diskutiert. Wir haben vereinbart, dass zum einen die Nutzerinnen einbezogen werden müssen, zum anderen die Studierenden ergebnisoffen arbeiten können. Das Projekt hat mit einem gemeinsamen Workshop der Professoren und Seesener begonnen. Bei ihrem ersten Besuch haben wir den Studierenden unsere Ideen vorgestellt und sie auf den Denkmalschutz oder die vorgegebenen Nutzungsflächen vor dem Haus hingewiesen. Der Besuch war geprägt von Gesprächen im Haus, aber auch in der Stadt. Darüber hinaus haben wir sonst keine Einschränkung gemacht. Zum Gelingen eines solchen Projektes gehört gegenseitiges Vertrauen und Verständnis der Partnerinnen.

Was haben die Studierenden entwickelt?

Scheerer: Es gab eine Zwischenpräsentation mit der Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs. Sie ist auch ein öffentlichkeitswirksamer Teil des Projektes. Die Studierenden haben Ideen für ein neues Corporate Design des Jacobson-Hauses entwickelt und verschiedene Gestaltungsansätze im Außenbereich erarbeitet. Überzeugt hat uns dabei, dass uns alle Ansätze realisierbar erscheinen....

Wie sehen die Ansätze denn aus?

Scheerer: Vor allem drei der entwickelten Vorschläge sind für uns interessant, sie greifen ineinander und sollen die Wahrnehmung des Jacobson-Hauses in der zentralen Innenstadt verändern. In den 1980er Jahren wurde dicht neben das Jacobson-Haus ein Markthaus gebaut. Aus heutiger Einschätzung wird der Anblick des Jacobson-Hauses hierdurch verletzt. Die Studierenden haben beispielsweise vorgeschlagen die an das Jacobson-Haus angrenzenden Funktionsgebäude zu verspiegeln. Weiterhin wurde die Eingangssituation des Hauses durch Stelen verstärkt und ein Sitzmöbel für den Platz vor dem Jacobson-Haus entwickelt. Wir werden jetzt mit den Nutzerinnen und der Lenkungsgruppe des Projektes die Vorschläge diskutieren und vereinbaren, welche Ideen mit den Studierenden umsetzungsreif geplant werden können.

Zur Person: Thorsten Scheerer ist Leiter des Fachbereichs „Kultur-Jugend-Wirtschaftsförderung“ der Stadt Seesen. Er ist seit der Antragstellung 2015 Leiter des Projektes „Jacobson-Haus“.