Ideenkongress

Neue Aufgaben

Donnerstag: 11.00-17.30 Uhr
Festsaal

Der gesellschaftliche Wandel zeigt sich auf vielfältige Weise: in der Art, wie wir arbeiten und wohnen, wie wir kommunizieren und konsumieren, sowie im Verhältnis zwischen Alt und Jung – und das nicht nur in den Städten, sondern ebenso auf dem Land. All dies hat auch Auswirkungen auf die Arbeit der Kultureinrichtungen. Im Themenraum „Neue Aufgaben“ geht es daher um die Fragen, welche Themen und welche neuen Aufgaben auf die Kultureinrichtungen auf dem Land zukommen? Und wie müssen sie sich dafür verändern, wen braucht es dafür? Veränderungen aus sich selbst heraus fallen Menschen wie Institutionen schwer, oft braucht es einen Impuls von außen. Vor diesem Hintergrund geht es in diesem Themenraum insbesondere um die Perspektive junger Menschen und freier Akteure, die sich seit Jahren in ländlichen Regionen engagieren und deren Themen und Fragen im Kulturangebot einer Region zukünftig abgebildet sein sollten. Akteure berichten, mit welchen Ansätzen sie beispielsweise dem Wegfall von Begegnungsorten, der Zunahme populistischer Strömungen oder dem Verlust einer gemeinsamen regionalen Identität begegnen.

 

ABLAUF

11.00 Uhr Impuls
Gibt es überhaupt noch den ländlichen Raum?

Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Leibniz Universität Hannover/Generalsekretär der Akademie für Raumforschung und Landesplanung
In dem Vortrag wird zunächst gezeigt, dass es eine große Vielfalt ländlicher Räume in Deutschland gibt. Diese „teilräumliche Differenzierung“ erfordert entsprechend differenziertes planungs- und kulturpolitisches Vorgehen. Unabhängig von der aktuellen ökonomischen Dynamik ist die Attraktivität ländlicher Räume, insbesondere für junge Menschen, gegenwärtig ein großes Thema. Dazu wird die These diskutiert, dass es ohne ein gewisses Maß an „Urbanität auf dem Land“ nicht möglich sein wird, „Daseinsvorsorge“ zu sichern und Lebensqualität zu gestalten.

11.30 Uhr Impuls
Kultur als Identitätsstifter

Dr. Juliane Stückrad, Büro für angewandte Kulturforschung
Die Förderung von Kultur im ländlichen Raum zielt häufig auf die Stärkung regionaler und lokaler Identitäten. Ethnologische Perspektiven zeigen, vor welchen Herausforderungen Identitäten angesichts der Transformationsprozesse stehen. Die Überlegungen des Vortrags basieren auf ethnografischen Studien in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Anhand von Beispielen, die Veränderungen in ländlichen Räumen veranschaulichen, wird gefragt, welche Verantwortungen sich daraus für kulturelle Institutionen ergeben.

12.00-13.15 Uhr Parallele Thementische

1. Neue Strukturen für junges Engagement
Festsaal
„Erwachsene haben keinen Plan davon, was wir wollen!“ Wer junges Engagement will, muss jungen Menschen zuhören. Mit welchen Anliegen wollen sie ernst genommen werden? Welche Ideen haben sie? Welche Möglichkeiten für kulturelles Engagement sehen sie? Wo würden sie sich einbringen? Welche Hindernisse gibt es für sie? Wer junges Engagement will, muss flexibel sein!
Impulsgeber: Florian Grünhäuser, Referent für politische Bildung und nachhaltige ländliche Entwicklung bei der Akademie Junges Land e.V., sowie Merle Brück (11. Klasse), Leonie Kiefer (11. Klasse), Simon Körsten (9. Klasse), Salomé Priebe (11. Klasse), Noah Scholtes (9. Klasse), Hannah Schopp (11. Klasse) und Florian Theisen (9. Klasse) von der Theater-AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Daun sowie Volker Weinzheimer, Lehrer, und Tanja Finnemann, Lehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium Daun.

2. Demokratische Kultur
Galerieraum 1
Wie konkretisiert sich im Kulturbereich der politische Auftrag des Grundgesetzes, gleichwertige Lebensverhältnisse anzustreben? Wie können Kulturorte dazu beitragen, kulturelle Menschenrechte und demokratische Werte zu stärken? Welchen Herausforderungen sehen sich Kultureinrichtungen gegenüber, und wie können sie sich auf Zukünftiges vorbereiten?
Impulsgeber: Benno Plassmann, Institut für Neue Soziale Plastik e.V., Stella Hindemith, Amadeu Antonio Stiftung, und Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern e.V., Svenja Goy, Bildungsprojekt qube, und Clara Engel, Demokratiebahnhof, Anklam.

3. Regionale Selbstbeschreibung
Galerieraum 2
Kultureinrichtungen können die Identität einer Region stärken, indem sie zur regionalen Selbstbeschreibung beitragen. Sie sind ein zentraler Ort, um Geschichten zu sammeln und anderen zugänglich zu machen, um Diskussionen zu führen und Traditionen in die Zukunft zu führen. Welche Akteure müssen in einen solchen Prozess eingebunden werden? Welche Herausforderungen sind zu meistern, um alle an einen Tisch zu bringen? Und wie findet man zu einer gemeinsamen Sprache?
Impulsgeber: Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur

4. Neue Altersstrukturen
Außenstelle Werkleitz, 1. OG
Der demografische Wandel hat große Auswirkungen auf die Altersstruktur vieler ländlicher Regionen. Während die Geburtenraten zurückgehen und junge Menschen wegziehen, wächst die Generation der Rentnerinnen und Rentner überproportional an. Welche Verantwortung kann die ältere Bevölkerung für das Kulturangebot der Region übernehmen? Und was müssen Kultureinrichtungen bedenken, wenn sie vor allem für diese Zielgruppe attraktiv bleiben wollen?
Impulsgeberinnen: Almuth Fricke, Leiterin, und Nina Lauterbach-Dannenberg, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und Inklusion

5. Kommunikationsorte für die Zivilgesellschaft
Außenstelle Museum, EG
Geschlossene Kneipen, Bäcker oder Metzger. In den ländlichen Regionen ist damit oft mehr weggefallen als ein Ort zum Einkaufen oder Biertrinken. Es fehlen Orte der Kommunikation, Orte, an denen sich Interessierte und Engagierte miteinander austauschen oder Frust miteinander teilen können. Wie könnten neue Orte der Kommunikation aussehen? Wo könnten sie angesiedelt sein, und welches Potenzial können sie entfalten?
Impulsgeber: Andreas Willisch, Vorstand des Thünen-Instituts für Regionalentwicklung e.V.

6. Offene Räume für eigene Ideen
Spiegelsaal
Maker Spaces, Bandprobenräume, Treffpunkte: Sollten Kulturorte Möglichkeitsräume für Ideen externer Gruppen schaffen? Was bedeutet es, eine Patenschaft für einen solchen Raum zu übernehmen? Was kann sich daraus entwickeln? Das Team um Dimitri Hegemann, We love Warstein, die Stadt Warstein und Unternehmen aus dem Sauerland haben im November 2017 gemeinsam den Raum FH3 organisiert, der sich für junge Menschen aus Stadt und Region als Kreativraum und Ideenspielwiese etablieren soll. Ziel der Gruppe ist, dass das FH3 zukünftig täglich Aktivitäten und Projekte in den Räumlichkeiten platziert, die die Region weiter beleben.
Impulsgeber: Dimitri Hegemann und Annette Ochs, „Happy Locals“, sowie Frederik Cramer und Jannik Becher von FH3.

13.00-14.00 Uhr: Mittagspause

14.00-15.45 Uhr Weiterführung der parallelen Thementische
Räume und Themen:
1. Neue Strukturen für junges Engagement und 6. Offene Räume für eigene Ideen
Festsaal
2. Demokratische Kultur
Galerieraum 1
3. Regionale Selbstbeschreibung
Galerieraum 2
4. Neue Altersstrukturen
Außenstelle Werkleitz, 1. OG
5. Kommunikationsorte für die Zivilgesellschaft
Außenstelle Museum, EG

16.00-17.30 Uhr
Podiumsgespräch: Neue Aufgaben für Kultureinrichtungen?

Festsaal
Wenn sich ländliche Räume verändern, verändern sich dann auch die Aufgaben der dortigen Einrichtungen? Welche neuen Aufgaben sehen die Kulturverbände auf die Einrichtungen auf dem Land zukommen? Wo sehen sie den größten kulturpolitischen Handlungsbedarf? Und welche der diskutierten Ideen könnten so einen Wandel begleiten?
Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins
Dr. Susanne Köstering, Mitglied im Vorstand des Deutschen Museumsbunds und Geschäftsführerin des Museumsverbands Brandenburg e.V.
Barbara Lison, Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands e.V., dbv
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats e.V.


Die folgenden Hintergrundtexte geben vertiefte Einblicke in das Thema „Neue Aufgaben“.

Neue Aufgaben für ländliche Kulturorte

 

Der gesellschaftliche Wandel hinterlässt seine Spuren auch in den Dörfern und kleinen Städten. Im Zuge der Digitalisierung und durch neue Formen der Kommunikation verändern sich unsere Arbeitswelt und unser Privatleben. Junge Menschen verlassen ihr Zuhause und suchen in den großen Städten nach beruflichen Perspektiven. 

Bibliotheken: Ein Dritter Ort mit Zukunft

 

Was brauchen Bibliotheken auf dem Land? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Und wo liegen ihre Chancen, gesellschaftliche Veränderungen mitzugestalten? Petra Büning vom Deutschen Bibliotheksverband über Bibliotheken als „Dritte Orte“ in den Kommunen, den Wettlauf mit der Technik und neue Verbünde vor Ort.

Theater als öffentliche Begegnungsorte

 

Die Erwartungen der Öffentlichkeit wie auch der Politik an Kultur und Kultureinrichtungen im ländlichen Raum haben sich geändert. Wie gehen die Theater mit den Zwängen und Wünschen um? Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, erläutert die Rollen und Aufgaben der Theater kleiner Orte.

Stärkung demokratischer Kulturen

 

Viele Kultureinrichtungen in ländlichen Regionen sehen sich mit gesellschaftlichen Veränderungsprozessen konfrontiert, darunter auch mit populistischen Tendenzen. Wir haben mit Benno Plassmann vom Institut für Neue Soziale Plastik gefragt, wie die Kultureinrichtungen damit umgehen und was es braucht, um demokratische Werte zu stärken.