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Netzwerkstellen für regionale Entwicklung

 

Am 05. Oktober 2017 hat das TRAFO-Programmbüro in Leipzig ein Expertengespräch zum Thema „Netzwerkstellen“ organisiert. Ausgangspunkt für das Gespräch war die Frage, welche Möglichkeiten es für ländliche Regionen gibt, ihre Kulturangebote und -akteure miteinander zu vernetzen, Vereine, Kulturinstitutionen und Künstler zu beraten und ein Plattform für kulturpolitische Anliegen für die Region zu schaffen.

Neben interessierten TRAFO-Projektpartnern aus der Verwaltung und Landesministerien waren drei Referentinnen eingeladen, die eine Netzwerk/Servicestelle in ländlichen Regionen leiten. Im Rahmen des Expertengesprächs stellten Dorothea Angel vom Forum ländlicher Raum – Netzwerk Brandenburg, Anna-Lisa Bister von der Servicestelle Kultur Peinerland und Annett Geinitz von der Netzwerkstelle Kulturelle Bildung Vogtland / Zwickau ihre Funktionen, Aufgabe und Rollen vor und diskutierten mit den Teilnehmer/innen des Gesprächs die Gelingensbedingungen und Herausforderungen für erfolgreiche Netzwerkarbeit in ländlich geprägten Räumen.

Als Ziele ihrer Arbeit benannten die drei Netzwerkerinnen die Stärkung und Ermöglichung von Kultur in ländlichen Räumen. Dazu gehören die Unterstützung der Träger und Akteure vor Ort, die Beratung bei der Antragstellung zur Einwerbung von Projektmitteln, die Qualifizierung beteiligter hauptamtlicher und ehrenamtlicher Akteure u.a. im Beriech Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die grundsätzliche Sensibilisierung für die wichtige Rolle von Kultur in ländlichen geprägten Kommunen. Ihre eigene Rolle beschrieben die Netzwerkerinnen als Ermöglicher, der den Überblick hat, im Hintergrund Fäden zusammenführt und moderiert sowie bereits vorhandene Potenziale stärkt. Wichtig sei dabei, nicht als eigener Veranstalter von Kulturangeboten aufzutreten und damit eine Konkurrenz zu den vorhandenen Einrichtungen und Angeboten aufzubauen.

In dem Expertengespräch wurde gleichzeitig die unterschiedliche Gewichtung der genannten Aufgaben sichtbar, die eine Zuspitzung auf folgende Typen nahelegt:

Der Initiator (Beispiel Peinerland):

Ein besonderer Fokus der Netzwerkstelle liegt auf der Gewinnung und Steuerung von Unterstützern, die in die Umsetzung einzelner Teilbereiche einsteigen. Voraussetzung ist, dass im Vorfeld eine gemeinsame Kulturentwicklungsstrategie für die Region entwickelt und verabschiedet worden ist. Verschiedenste Einrichtungen übernehmen nach und nach Verantwortung für bestimmte Aufgaben und ermöglichen so, die zugrundeliegende Strategie nachhaltig umzusetzen. In der Netzwerkstelle fließen die Prozesse wieder zusammen.

Der Impulsgeber (Beispiel Vogtland/Zwickau)

Diese Netzwerkstelle legt besonderen Wert auf die Erprobung und Implementierung eigener Modelle. Sie verfügt dafür über ein eigenes Budget und kann damit Ideen umsetzen, die sie selber in Reaktion auf den Bedarf vor Ort konzipiert. Dieses Vorgehen eignet sich besonders für Räume, in denen nur noch wenige öffentlich geförderte Kultureinrichtungen vorhanden sind und ein starker Impulsgeber nötig ist, um neue Wege der Zusammenarbeit zu erschließen.

Netzwerk der Netzwerke (Beispiel Brandenburg)

Besondere Gewichtung dieser Servicestelle liegt auf Weiterbildungsangeboten für bereits bestehende kleinere regionale Netzwerke und die Zusammenführung von Wissen. Diese Servicestelle kann auch steuernden Charakter haben. Sie ermöglicht damit kleineren Einheiten an einer gemeinsamen Strategie zu arbeiten und sich gegenseitig mit guten Erfahrungen zu unterstützen, so dass Prozesse nicht immer wieder neu erfunden werden müssen.

Die drei Netzwerkstellen sind im Rahmen von Entwicklungsprozessen als Reaktion auf den Bedarf vor Ort entstanden und als feste Institution verankert worden. Die Vorgaben zu den Aufgaben der jeweiligen Netzwerkstelle waren dabei jedoch nicht strikt vorgegeben, sondern mussten von den Netzwerkerinnen teilweise erst selbst entwickelt werden. Dies führte einerseits zu der Möglichkeit, den Bedarfen vor Ort besser gerecht zu werden und immer wieder neu darauf zu reagieren; andererseits wurde der deutliche Hinweis gegeben, die strategischen Zielsetzung der Netzwerkstelle nicht aus den Augen zu verlieren, um sich nicht in der Vielfalt der möglichen Aufgaben zu verlieren.

 

Referenten / Gesprächspartner des Fachgesprächs waren:

Dorothea Angel vom Forum ländlicher Raum – Netzwerk Brandenburg
Anna-Lisa Bister von der Servicestelle Kultur Peinerland
Annett Geinitz von der Netzwerkstelle Kulturelle Bildung Vogtland / Zwickau