Regionen
15/12/2016
Südniedersachsen Harz|Museen|Welterbe
„Ans Licht geholt“ – Ausstellungseröffnung und Gesprächsrunde

„Ans Licht geholt – Schenkungen und Neuzugänge 2016“ hieß die Ausstellung, die am 15. Dezember 2016 um 17 Uhr im Oberharzer Bergwerksmuseum eröffnet wurde.

10/12/2016
Südniedersachsen Harz|Museen|Welterbe
„2030 – Odyssee im Leerraum“

Am 10. Dezember 2016 war das Junge Theater Göttingen zu Gast in der Robert-Koch-Schule in Clausthal-Zellerfeld. Das Junge Theater Göttingen hat sich im Rahmen von TRAFO in den ländlichen Raum in Südniedersachsen begeben und mit den Menschen vor Ort über den Wandel ihrer Region gesprochen.

Harz|Museen|Welterbe

Projekt-Dossier

 

Der westliche Harz ist ein Mittelgebirge in Südniedersachsen, das fast 3.000 Jahre lang durch den Bergbau bestimmt wurde. Dieser formte nicht nur die Natur, indem er das Innere der Berge zu besonderen Kultur- und Industrielandschaften machte, sondern beeinflusste auch Alltagskultur und Siedlungswesen. Mit der historischen Altstadt von Goslar und den vielfältigen Spuren des Bergbaus verfügt die Region über zahlreiche kulturräumliche Höhepunkte. In den zwei Landkreisen Goslar und Osterode am Harz befindet sich mit 220 km² die größte Weltkulturerbestätte Deutschlands: Zur Stätte „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“ zählen zehn Museen und eine Vielzahl offener Bodendenkmäler.

Fortbestand der Regional- und Heimatmuseen sichern

Allerdings kämpfen heute viele kleinere Museen auch dieser Welterbestätte, wie vergleichbare Regional- und Heimatmuseen in ganz Deutschland, um ihren Fortbestand. Besucherzahlen sinken, finanzielle Spielräume schwinden. Der westliche Harz leidet an Abwanderung und Überalterung. Für die Landkreise Goslar und Osterode werden bis 2030 Bevölkerungsrückgänge bis 15 % erwartet („Wer, wo, wie viele? – Bevölkerung in Deutschland 2030“. Datenreport der Bertelsmann Stiftung 2015). Kommunale Sparzwänge bedeuten Kürzungen der Kulturetats. Geringere Ressourcen verhindern konzeptionelle Neuerungen – und dies wiederum führt zu sinkendem Besucherinteresse. Eine Negativspirale setzt ein, die schwer zu durchbrechen ist. Zugleich sind gerade die vielen lokalen Bergbaumuseen und Besucherbergwerke, die oft als Vereine ehrenamtlich betrieben werden, ein wichtiger Bestandteil der regionalen Tradition. Dennoch fehlt gerade solchen kleinen Museen in Vereinsträgerschaft häufig der Nachwuchs und somit eine Perspektive über die nächsten zehn bis 20 Jahre. 

Den Generationenwechsel organisieren

Das TRAFO-Projekt „Harz|Museen|Welterbe“ will gerade diese kleinen Einrichtungen stärken und einen kooperativen Ansatz erproben. Ziel ist es, insbesondere mehr junge Menschen daran zu beteiligen, die Museen zu gestalten und für die Museen Verantwortung zu übernehmen. So sollen aus den historischen Erinnerungsorten des Bergbaus moderne Vermittlungsorte für vielfältige Themen und Fragestellungen werden. Dabei will man gezielt vermeiden, dass die Museen miteinander konkurrieren, um jeweils nur ihre eigene Zukunft zu sichern.

Vier Orte, verschiedene Schwerpunkte

Im Mittelpunkt stehen ein Bergbaumuseum und drei kleinere Besucherbergwerke: das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld, die Silbererzgrube Samson in St. Andreasberg, der 19-Lachter-Stollen in Wildemann und die Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund. Diese werden mit den besucherstärkeren Einrichtungen Bergwerk Rammelsberg, Kaiserpfalz / Altstadt Goslar und dem Zisterzienser-Museum Kloster Walkenried ein gemeinsames Konzept für ein dezentrales System verschiedener UNESCO-Lernorte entwickeln. Dabei wollen sie die Chance nutzen, die Besonderheiten der einzelnen Stätten herauszuarbeiten und zugleich Redundanzen zu vermeiden. Bisher hatte jedes der Museen die ganze Geschichte des Bergbaus vermittelt. Jetzt könnten beispielsweise Besucher der Grube Samson erleben, wie es ist, durch eine originale, mit Holz gestützte Schachtanlage zu gehen.

Im Oberharzer Bergwerksmuseum könnte dagegen Thema sein, wie die Bergleute in den 1920er und 1930er Jahren selbst ihre eigene Arbeit musealisierten. Im 19-Lachter-Stollen wird erzählt, wie mit Wasser unter Tage Energie gewonnen wurde. Und in Knesebeck läge ein geeigneter Fokus auf der Faszination der technischen Seiten des Bergbaus. Ausgehend von diesen Schwerpunkten laden die Betreiber der Museen die Menschen der Region ein, Verbindungen ins Heute und zu aktuellen Fragen zu entwickeln. Wie sieht die Energieproduktion der Zukunft aus? Wie können wir nachhaltiger mit den Ressourcen umgehen? Welche Umweltverschmutzungen finden sich im Zeitalter des Anthropozäns in der Harzer Landschaft?  

Entwicklung in drei Schritten

In einem ersten Schritt werden die Museen herausarbeiten, welche Schwerpunkte sie künftig setzen wollen und den Fokus ihrer Ausstellungen neu definieren. Um die Neuerungen lokal zu verankern, wollen sie dabei Schulen, Bürger und Vereine der Oberharzer Bergstädte einbinden. Im zweiten Schritt wollen sie Mitarbeiterpools, Sammlungen und andere Ressourcen der Einrichtungen so zusammenführen, dass ein sinnvolles Ganzes entsteht. In einer dritten Phase will der neue Verbund ein abgestimmtes Design der einzelnen Dauerausstellungen entwickeln und für das „UNESCO-Welterbe im Harz“ ein gemeinsames Erscheinungsbild finden. In seiner Bildungsarbeit will das Netzwerk eng mit Schulen zusammenarbeiten. Auf diese Weise werden Wege gefunden, den UNESCO-Bildungsauftrag gezielter und lebendiger als bisher zu verwirklichen.

UNESCO-Welterbe im Harz

Die Stiftung UNESCO-Welterbe im Harz dient der Erhaltung und Präsentation der UNESCO-Weltkulturerbestätte Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft. Entsprechend der Forderung der UNESCO nach angemessener Vermittlung einer Welterbestätte entwickelt sie Modelle für eine gemeinsame Infrastruktur, Management und Trägerschaft der Museen sowie Besuchereinrichtungen im Welterbe.

Gegenwärtig errichtet die Stiftung UNESCO-Welterbe im Harz im Rahmen verschiedener Förderprojekte und im Verbund mit frequenzstarken Projektpartnern wie dem Bergwerk Rammelsberg, Kaiserpfalz und Altstadt von Goslar oder dem ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried eine Infrastruktur dezentraler Welterbe-Informationszentren und Modelle einer alternativen Managementstruktur und Trägerschaft für alle Kultureinrichtungen im Welterbe.

Im Projekt stellt die Welterbe-Stiftung den Mitarbeiter Kulturhistoriker Ulrich Reiff im Umfang einer halben Stelle für die Projektleitung frei. Als seine Stellvertreterin fungiert die ebenfalls bei der Welterbe-Stiftung beschäftigte Geologin und Geografin Dr. Manuela Armenat. Die Personalverwaltung und Finanzbuchhaltung im Projekt leistet die Welterbe-Stiftung.

Zum Hintergrund

Das 1892 gegründete Oberharzer Bergwerksmuseum bildet für das Projekt „Harz|Museen|Welterbe“ die Basis. Im Eigentum der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld, die kommunaler Partner im Projekt ist, wird das traditionsreiche Haus seit 2014 durch die Stiftung Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft betrieben. Mit dem Ottiliaeschacht von 1876, den Rosenhöfer Radstuben von 1685 / 1806, dem Schacht Kaiser Wilhelm II. von 1880 und den Gruben Dorothea und Caroline von 1709 / 1711 betreut und betreibt es vier UNESCO-Welterbe Denkmale.

Projektpartner sind: die Grube Samson in St. Andreasberg, Welterbe-Denkmal von 1521, Besucherbergwerk seit 1951, mit der Stadt Braunlage als Eigentümer und Pächter J. Klähn als Betreiber; der 19-Lachter-Stollen in Wildemann, Welterbe-Denkmal von 1535, Besucherbergwerk seit 1971, mit dem Bergwerks- und Geschichtsverein Wildemann e.V. als Betreiber; die Schachtanlage Knesebeck in Bad Grund, Welterbe-Denkmal von 1855, Bergbaumuseum seit 1986, mit der Gemeinde Bad Grund als Eigentümer und dem Förderverein Bergbau- und Heimatmuseum Bad Grund e.V. als Betreiber.

Nähere Informationen unter: www.welterbeimharz.de

Kontakt

Ulrich Reiff
Projektleiter
Harz|Museen|Welterbe
Stiftung UNESCO-Welterbe im Harz
Oberharzer Bergwerksmuseum
Bornhardtstraße 16
38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel. +49 (0) 53 21 / 750 115
reiff [​at​] unesco-welterbe-harz.de