Regionen
19/06/2017
Südniedersachsen Jacobson-Haus
2. Kreativ-Stammtisch im Jacobson-Haus

Am 19. Juni 2017 findet ab 18.00 Uhr der zweite Kreativ-Stammtisch zur Zukunft des Jacobson-Hauses in Seesen statt.

16/05/2017
Südniedersachsen Jacobson-Haus
Planspiel zur Ratsarbeit für Seesener Schüler

Im Rahmen von TRAFO haben Schüler des Seesener Jacobson-Gymnasiums und der Oberschule Seesen drei Tage lang die Möglichkeit, Politik zu machen.

05/04/2017
Südniedersachsen Jacobson-Haus
Erstes Treffen des neuen Nutzerrates im Jacobson-Haus

Am 05. April 2017 tagte im Jacobson-Haus das erste Mal der neu gegründete Nutzerrat. Im Rahmen von TRAFO kamen in diesem Rat alle bestehenden und zukünftigen Nutzer zusammen.

Jacobson-Haus Seesen

Projekt-Dossier

 

Die ländliche Stadt Seesen liegt zwischen dem Harz und dem Harzvorland im Südosten Niedersachsens. Sie ist eine selbstständige Stadt mit knapp 20.000 Einwohnern, die in der Kernstadt Seesen und den neun dörflichen Stadtteilen leben. Von rund 19.900 Bewohnern sollen laut aktueller Prognose bis 2030 fast 25 Prozent der Stadt den Rücken gekehrt haben („Wer, wo, wie viele? – Bevölkerung in Deutschland 2030“. Datenreport der Bertelsmann Stiftung 2015). Die Gründe für die Wegzüge sind vielfältig: Paare finden oft keine Arbeitsplätze für beide Partner. Junge Leute vermissen in der schrumpfenden Stadt zunehmend urbane Qualitäten wie etwa ein Kino.

Ein Kulturort für alle

Als „Fenster zum Harz“ hat die Stadt derweilen einen hohen Freizeitwert für Outdoor-Aktivitäten. Ihr Stadtkern wurde von Kriegszerstörungen verschont, Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert prägen das Stadtbild. Auch verfügt sie über ein noch recht vielfältiges Angebot an kommunalen und ehrenamtlich getragenen Museen, Theatern und Musikveranstaltungen. Berühmte Persönlichkeiten der Kulturgeschichte haben in Seesen gewirkt: Zum Beispiel verbrachte Wilhelm Busch hier seine letzten zehn Lebensjahre. Komponisten wie Louis Spohr und Karl Friedrich Wilhelm Fitzenhagen lebten in der Stadt. Heinrich Engelhard Steinweg baute in Seesen seinen ersten Flügel und der Pädagoge Israel Jacobson gründete hier im Jahr 1801 die „Jacobsonschule“. Sie war die erste Bildungseinrichtung, in der jüdische und christliche Kinder gemeinsam erzogen wurden. Heute beherbergt sie die Stadtbücherei, ein Jugendzentrum, das Stadtmarketing und eine Reihe von kulturellen und sozialen Vereinen.

Obwohl die kulturellen Angebote Seesens noch von vergleichsweise vielen Engagierten erhalten werden, stehen auch diese mittelfristig in Frage. Zum einen sinkt die Auslastung der Orte, zum anderen altern die Menschen, die sich heute noch für sie einsetzen.

Eine Stadt baut sich um für die Kultur

Mit dem TRAFO-Projekt „Jacobson-Haus“ will die Stadt Seesen das vorhandene kulturelle Leben stärken und in zukunftsfähige Bahnen lenken. Die zentrale Idee ist, das Jacobson-Haus zu einem kommunalen Zentrum für Bildungs- und Kulturaktivitäten für alle Generationen zu entwickeln. Das Haus, in dem bereits die Stadtbibliothek, die Arbeiterwohlfahrt, Musik- und Seniorenvereine, Einrichtungen der Jugendpflege sowie die städtische Kulturverwaltung angesiedelt sind, soll ein zentraler Ort für gemeinsame kulturelle Angebote und Veranstaltungen in der Stadt werden. Konzept und Programm des Kulturhauses erarbeiten die Nutzer gemeinsam mit anderen Einrichtungen, Vereinen, freien Künstlern und der Stadtverwaltung. Stichwortgeber ist dabei der Leitgedanke des historischen Schulprojekts Israel Jacobsons, der Kultur und Bildung als Motor für ein gesellschaftliches Miteinander sah, zu dem alle gleichberechtigt Zugang erhalten sollten.

Um dieses „Miteinander Vieler“ zu fördern und das Jacobson-Haus mit neuem Leben zu füllen, werden Angebote verschiedener Kultursparten unter einem Dach vereint. Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und interdisziplinäre Projekte werden künftig an einem Ort stattfinden. Darüber hinaus wird das Jacobson-Haus zum lebendigen Lernort für die regionale Kulturgeschichte werden. Auch Bewohner der Stadt Seesen, die bislang weder Theater noch Museen besucht haben, sollen ihren Weg hierher finden.

Im Rahmen ihres Transformationsprozesses bearbeitet das Jacobson-Haus folgende Themen- und Fragestellungen:

Ein zentrales Bildungs- und Kulturzentrum einrichten
Welche Rolle kann ein zentraler und für alle offener Kultur- und Bildungsort in einer Kleinstadt übernehmen? Welche Entwicklungsschritte sind dafür notwendig? Welche Nutzer und Angebote sollten im Haus vertreten sein?

Angebote mit und für verschiedene Nutzer entwickeln
Welche Potenziale stecken in einem multifunktionalen Kulturzentrum, in dem verschiedene Akteure unter einem Dach arbeiten? Welche neuen Ideen entstehen, wenn sehr unterschiedliche Akteure miteinander kooperieren? Wie müssen Angebote aussehen, die die unterschiedlichen Generationen mit ihren jeweiligen Interessen miteinander ins Gespräch bringen?

Das Haus nach außen öffnen
Wie kann es gelingen, einen zentral gelegenen Kulturort für die Bevölkerung attraktiv zu machen? Wie können die vorhandenen und neu entstehenden Angebote Aufmerksamkeit in der Stadt erhalten und weitere Menschen begeistern

Veranstaltungshaus und Knotenpunkt für Kulturanbieter

Konzept und Programme für das neue Kulturhaus gestalten die Mieter des Hauses mit anderen Einrichtungen, Vereinen, freien Künstlern und der Stadtverwaltung gemeinsam. Um Kultur in der „weniger werdenden” Stadt zu vernetzen, entwickelt die Stadt das Haus über seine eigenen Angebote hinaus zum Knotenpunkt und zu einer Informationsbörse für Kulturanbieter der ganzen Region und richtet in den Räumen der Bibliothek ein Kulturbüro ein. Die Weiterentwicklung des Jacobson-Hauses Seesen erfolgt in einem offenen, transparenten Prozess. Hierzu wurden verschiedene öffentliche Workshops durchgeführt, in denen Impulse und Anregungen für die Ausgestaltung des Jacobson-Hauses gegeben werden können. Informationen zu den Workshops erhalten Sie hier.

Bei all diesen Transformationsbemühungen geht die Stadt Seesen mit gutem Beispiel voran und hat mit den Veränderungen zuerst bei sich selbst begonnen: So wurde ein neuer kommunaler Fachbereich begründet, in dem nun alle städtischen Verantwortlichen für die kulturellen und sozialen Angebote im Jacobson-Haus – u.a. das Jugendzentrum, die Bibliothek, das Stadtmarketing – organisiert sind. Damit Bürger auch en passant mit den Angeboten des Kulturhauses in Berührung kommen, erweitert das Kulturbüro seine Angebote um bürgernahe Dienste, wie zum Beispiel die Ausgabe von „gelben Säcken“.

Die Weiterentwicklung des Jacobson-Hauses wird durch den Fachbereich V „Kultur und Jugend“ der Stadt Seesen umgesetzt. Der Fachbereich bündelt seit dem Jahr 2016 alle kulturellen und sozialen Aufgabenbereiche der Kommune und umfasst auch alle Einrichtungen der Stadt Seesen, die das Jacobson-Haus nutzen, vom Städtischen Museum und der Stadtbücherei bis zur Kulturförderung, der Stadtjugendpflege und der Flüchtlingsintegration. Die Zusammenführung der im Gebäude bisher „nebeneinander“ bestehenden Einrichtungen zu einem neuen Fachbereich war die Voraussetzung für einen erfolgreichen Start des TRAFO-Projektes „Jacobson-Haus“ in Seesen.

Hintergrund                                                                                 

Das Jacobson-Haus in Seesen wurde 1889 als Schulhaus errichtet und war zur Zeit seiner Entstehung nicht nur das größte Gebäude der Stadt, sondern auch Ausdruck einer Philosophie. Der Projektleiter des Transformationsprojektes, Thorsten Scheerer, stellt in einem Textbeitrag den Transformationsprozess des Jacobson-Hauses vor und erläutert, welche Rolle dabei die Philosophie von Israel Jacobson spielt.

Zudem erklärt der Bürgermeister der Stadt Seesen, Erik Homann, im Interview warum Kultur genauso entscheidend für den Erfolg einer Kommune wie die Betriebskultur für den Erfolg eines Unternehmens ist.

Mehr Informationen zum Jacobson-Haus hier.

Kontakt

Thorsten Scheerer
Fachbereichsleiter
Fachbereich V Kultur und Jugend
Stadt Seesen
Marktstraße 1
38723 Seesen
Tel. +49 (0) 538 1 / 947 431
scheerer [​at​] seesen.de