Regionen
10/11/2017
Schwäbische Alb Lernende Kulturregion
Wohnzimmerlesungen in Kooperation mit den Literaturtagen Albstadt

Das Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen veranstaltet im Rahmen der Theaterwerkstatt Schwäbische Alb fünf Wohnzimmerlesungen in Kooperation mit den Literaturtagen Albstadt.

01/11/2017
Schwäbische Alb Lernende Kulturregion
Projekt „Klang Experimente“ im Rahmen der Musikwerkstatt „OH! für alle“

Mitte November startet das Projekt „Klang Experimente“ des Jungen Kammerchors Ostwürttemberg, das im Rahmen der Musikwerkstatt „OH! für alle“ stattfindet. Der Chor kooperiert für das Projekt mit dem Vokalwerk Nürnberg, das die jungen Sänger/innen bei den Proben und Auftritten unterstützt.

06/10/2017
Schwäbische Alb Lernende Kulturregion
Präsentation des Projekts „Über die Dörfer – alb: hören“

Der Dramaturg Tilman Neuffer und der Bildende Künstler Hans HS Winkler präsentierten am 6., 7. und 8. Oktober 2017 drei Hörstationen. Zu hören sind hier Geschichten von Menschen von der Schwäbischen Alb, die die Künstler während ihres Projekts „Über die Dörfer – alb: hören“ gesammelt haben.

Lernende Kulturregion Schwäbische Alb

Projekt-Dossier

 

Die Schwäbische Alb ist ein knapp 200 km langes Mittelgebirge in Baden-Württemberg, das sich in seinen Nordausläufern bis nach Bayern zieht. Sie ist vor allem durch „ländlichen Raum“ im engeren Sinne geprägt: dünnbesiedelte Agrarräume, Naturlandschaften, markante Felsen. Darüber hinaus ist sie reich an Burgen und alten Stadt- und Dorfkernen. Ein besonderes Merkmal dieser Gegend ist, dass sie von zahlreichen wirtschaftlich vergleichsweise starken Mittelzentren flankiert wird, die teils direkt an sie angrenzen. Zu ihnen zählen Biberach an der Riss, Ulm, Schwäbisch Hall, Reutlingen oder Sigmaringen.

Die Bevölkerungszahl ist aufgrund dieser Nähe bislang nahezu stabil. Allerdings werden auch hier in der Zukunft Rückgänge erwartet, die den ländlichen Raum vor neue Herausforderungen stellen werden: die Abnahme des Anteils an jungen Menschen, jungen Erwerbstätigen und Fachkräften. Es gilt daher, frühzeitig strukturpolitische Weichen zu stellen. Dabei kann ein Schlüssel sein, die Stadt-Land-Beziehungen zu stärken und die Attraktivität der ländlichen Gegenden hinsichtlich einer besonderen Lebensqualität zu entwickeln.

Kulturelles Erbe und Identität

Ein wichtiges Thema in dieser Region ist das kulturelle Erbe und ihre Identität. Es gibt Spuren frühzeitlicher Besiedlung wie die Pfahlbauten am Federsee oder den Limes, die beide zum Weltkulturerbe zählen, sowie bedeutende Funde von Elfenbeinskulpturen aus der Jungsteinzeit im Lonetal. Zudem verfügt die Modellregion über ein reiches ländliches Kulturleben – von kleinen Theatern und Museen, dem Wirken zahlreicher Künstler bis hin zur Wiedergewinnung lokaler Esskultur. Die Idee des TRAFO-Projekts „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ ist, diese ländliche Kultur weiterzuentwickeln und für mehr Menschen zugänglich zu machen. Denn so authentisch die Kulturangebote sein mögen – oft bleiben sie durch Ehrenamt, geringe Ressourcen, schlechte Erreichbarkeit und wenig Austausch in ihren Wirkmöglichkeiten begrenzt.

Im Rahmen ihres Transformationsprozesses bearbeitet die „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ daher folgende Themen- und Fragestellungen:

Die gesamte Region in den Blick nehmen
Welchen Beitrag können Kultureinrichtungen in Städten und im ländlichen Raum zur Gestaltung des Kulturangebots in ihren Regionen leisten? Wie werden weitere Akteure wie ehrenamtlich Tätige, Vereine und Initiativen sowie Schulen und Bildungseinrichtungen zu Partnern der Kultureinrichtungen? Wie kann die Nachhaltigkeit dieser Angebote in der Fläche gesichert werden?

Neue Aufgaben übernehmen
Welche neuen Aufgaben müssen die Kultureinrichtungen im ländlichen Raum der Schwäbischen Alb in Zukunft übernehmen? Wie kann es gelingen, dass die Angebote der Kultureinrichtungen von möglichst vielen Menschen wahrgenommen werden?

EU-Förderung LEADER für Kulturprojekte öffnen
Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit die bestehende LEADER-Förderung für Kulturprojekte besser genutzt werden kann? Welche Möglichkeiten haben Landkreise und Kommunen, um selbst innovative und gesellschaftlich relevante Kulturangebote im ländlichen Raum zu fördern oder um als Partner die Kulturakteure dauerhaft zu unterstützen?

Vier Kulturwerkstätten bespielen die Region

Im Rahmen des Projekts „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ arbeiten größere und kleinere Kultureinrichtungen in so genannten Kulturwerkstätten in den Sparten Museum, Theater, Musik und interdisziplinäre Kunst zusammen. So entsteht ein gleichberechtigter Austausch, von dem alle Seiten profitieren. Zum Beispiel können die kleinen Kulturanbieter Impulse für ihre Vermittlungsarbeit und Rückenwind bei der Akquise von Fördermitteln bekommen, ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern und verstärkt in der Fläche arbeiten. Die größeren Kultureinrichtungen gewinnen Ideen aus den Themen des ländlichen Raums, entwickeln so spezifische Kulturangebote für den ländlichen Raum und erreichen damit neue Zielgruppen. Als weitere Partner werden neben Schulen auch Künstler, Vereine und die Bürger vor Ort eingebunden. So vernetzt sich eine ganze Kulturregion, um gemeinsam neue Kulturangebote zu unterbreiten.

Museumswerkstatt

Das archäologische „Federseemuseum Bad Buchau“, das durch seine Welterbe-Pfahlbauten bekannt ist, hat gemeinsam mit den drei kleineren Museen Bachritterburg Kanzach, Heuneburg und dem Keltenmuseum Heuneburg den Verbund „Museumswerkstatt Archäologie in Oberschwaben“ ins Leben gerufen. Im Rahmen des TRAFO-Programms machen sich die vier Museen unter der Federführung des Federseemuseum auf den Weg, Kulturgeschichte mit neuen Vermittlungsangeboten erlebbar zu machen und zu zeigen, was die Kulturen und Menschen, die einst ganze Epochen prägten, mit der heutigen Zeit zu tun haben. Gemeinsam erarbeiten sie ein partizipatives und spartenübergreifendes Vermittlungsangebot. Dazu gehört der Aufbau einer Plattform mit interessierten Lehrern, diversen Pilotschulen, dem Staatlichen Lehrerseminar Tübingen und der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Darüber hinaus wird eine regelmäßige „Expertenrunde“ aus Kindern und Jugendlichen ins Leben gerufen, die Interesse an Archäologie und Geschichte haben und sich kreativ in den Museen einbringen möchten, z.B. mit neuen Medien, Filmclips oder Hands on Stationen. Mit seinem Transformationsprojekt zeigt das Federseemuseum, welche Potenziale ein historisches Museum entfalten kann, Vermittlungsangebote gemeinsam mit weiteren kleinen Museen zu entwickeln und für die Region anzubieten.

Theaterwerkstatt

Das städtische Landestheater Tübingen kooperiert mit dem ländlichen Regionaltheater Lindenhof Melchingen. Im Rahmen der Theaterwerkstatt „STADT.LAND.IM FLUSS” erarbeiten beide Bühnen gemeinsame Programme für ein Stadt-Land-Publikum. Im Rahmen von TRAFO entwickelt das LTT beispielweise Bürgerbühnen direkt vor Ort auf der Schwäbischen Alb. Dazu werden Künstler mit Kultureinrichtungen, Schulen, Vereinen und Bürgern aus der jeweiligen Gemeinde zusammengebracht. Bei der Entwicklung und Umsetzung des Projekts spielen die Besonderheiten und die Geschichten des jeweiligen Ortes und die Ideen der beteiligten Akteure eine große Rolle. Der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Prozess; das Ergebnis ist offen und kann eine Theateraufführung, eine Ausstellung, ein Film oder etwas ganz anderes sein.

Das Theater Lindenhof sagt von sich, dass es „ein Resonanzraum für globale Themen und für lokale Stoffe und Konfliktfelder zugleich“ ist. Im Rahmen von TRAFO entwickelt das Theater neue Formate, um verstärkt die Menschen der Schwäbischen Alb und ihre Geschichten zu erreichen und damit ein attraktiver Kulturort für die Region zu werden. Dazu gehören Erzählcafés, zu denen das Theater interessante Menschen aus der Region einlädt, Theaterspielclubs für Schüler, Jugendliche oder Erwachsene, ein so genanntes Wohnzimmertheater, zu denen das Theater Lindenhof zu den Menschen der Schwäbischen Alb nach Hause kommt, ein Theaterfrisör, der einmal in der Woche von seinem Salon in der Tübinger Altstadt in das Theater Lindenhof wechselt, ein Theaterkino, ein Postkasten, mit dem die Menschen auf der Schwäbischen Alb die Möglichkeit haben, an einem kommunikativ-künstlerischen Prozess Teil zu haben oder ein Tandem-Projekt, bei dem das Theater Lindenhof Gemeinden und Vereine dabei unterstützt, in ihrem Ort Kulturveranstaltungen durchzuführen.

Musikwerkstatt

Auch die Musikwerkstatt „OH! Für alle” – ein Austausch zwischen einem Opernfestival der Stadt Heidenheim und Bildungsreinrichtungen sowie jungen Musikern des ländlichen Raums – setzt auf das Urbarmachen von Kultur als Lebensqualität für alle. In struktur- und „kulturschwachen“ Gebieten zeigen die Opernfestspiele der Stadt Heidenheim in Kooperation mit Musikschulen und Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum, dass die Inhalte aus Oper und Konzert nicht nur ein erwachsenes Publikum, sondern insbesondere auch Kinder und Jugendliche begeistern, die bislang weniger Berührung mit klassischer Musik hatten. Dazu gehen Konzert- oder Theaterpädagogen der Opernfestspiele raus in die Region und führen Projektwochen im ländlichen Raum durch. Die Projektwochen werden von den Opernfestspielen zusammen mit Musikern aus der Musikschule und Lehrkräften aus der Schule vorbereitet. Die „Profis vor Ort“ werden durch die Erarbeitung des jeweiligen Vermittlungskonzepts und die Durchführung der Projektwochen – in der Zusammenarbeit mit den professionellen Vermittlern der Festspiele – selbst zu Vermittlern der Inhalte aus Oper und Konzert. Darüber hinaus werden in einem Partnerschaftsprojekt der Cappella Aquileia mit der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg zwei jährliche Arbeitsphasen mit anschließenden Konzerten durchgeführt. Der von Profis und Jugendlichen gemeinsam gegangene Weg durch den Probenprozess hin zum gemeinsam erlebten Konzert soll den Jugendlichen und ihrem Umfeld eine tiefere Wahrnehmung von künstlerischer Qualität vermitteln

inter!m-Werkstatt für interdisziplinäre Kunst

Als Teil der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“ realisiert der „INTER!M“– Kulturhandlungen im Rahmen von TRAFO verschiedene Kulturprojekte für den ländlichen Raum. Leitgedanke ist, durch vielfältige künstlerische Aktivitäten den ländlichen Raum zu bespielen und als alten, neuen und künftigen Kulturraum sichtbar zu machen. Um die Strukturen des kulturellen Lebens zu verstetigen, vernetzt inter!m vor Ort ansässige Kultureinrichtungen, Vereine, Schulen, Kindergärten und Kulturakteure miteinander und initiiert Projektwochen, Workshops, Theaterstücke und Kunst- und Forschungsprojekte zur Region. Mit dem eigens entwickelten inter!mMOBIL, das zugleich Werkstatt-, Atelier- und Studiomobil ist, werden die ländlichen Gebiete der Mittleren Alb und Oberschwabens aufgesucht. Lokale und regionale Teilnehmer, Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft, bekommen die Möglichkeit, in ihren Heimatgemeinden mit Künstlern, Designern, Regisseuren, Schauspielern, Schriftstellern und Musikern künstlerische Projekte zu entwickeln, umzusetzen und der Öffentlichkeit vorzustellen.

EU-Fördertöpfe für die Kultur öffnen

Die Erfahrungen dieser überregional arbeitenden Kulturwerkstätten werden dann an neue Kultur- und Bildungsträger weitergegeben, die bei einem Regionalfonds eigene Transformationsprojekte beantragen können. Hierfür stellt TRAFO gemeinsam mit dem EU-Förderinstrument LEADER Mittel für die Förderung von Kulturprojekten zur Verfügung. Modellhaft soll so ein EU-Fördertopf weiter für die Kultur geöffnet und die überregionale Zusammenarbeit der Verwaltungen intensiviert werden, um Kultureinrichtungen bei der Antragsstellung und Projektumsetzung zu unterstützen und zukunftsweisende Kulturarbeit im ländlichen Raum dauerhaft zu fördern.

Hintergrund

Der Ostalbkreis ist Träger des TRAFO-Projekts „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“. Er vernetzt die beteiligten Kultureinrichtungen miteinander, berät sie in förderrechtlichen und kulturpolitischen Fragen und wirbt für ein positives Bild des ländlichen Raums. Im Interview spricht der Landrat des Ostalbkreises Klaus Pavel über Kirchturmdenken, Vernetzungsstrategien und das Besondere an der Schwäbischen Alb.

Das Theater Lindenhof Arbeit baut in seiner Arbeit auf Stoffe aus der Region und die Menschen vor Ort. Der Intendant und Mitbegründer des Theaters, Stefan Hallmayer, beschreibt in seinem Text wie Theaterarbeit in ländlichen Regionen aussehen kann, und widerspricht damit dem Klischee, dass in der Provinz nur provinzielle Kunst gemacht würde

Kerstin Grübmeyer, Künstlerische Leiterin der THEATERWERKSTATT SCHWÄBISCHE ALB und Dramaturgin am Landestheater Tübingen, und Intendant Thorsten Weckherlin berichten im Interview über ihre Erfahrungen mit den partizipativen Projekten der THEATERWERKSTATT.

Ein Projekt der inter!m-Werkstatt für interdisziplinäre Kunst ist das mobile inter!m-Museum für Kinder. Die Kunstvermittlerin Andrea Dreher erzählt, was sich hinter diesem mobilen Kindermuseum verbirgt und wie es im ländlichen Raum sichtbar wird.

Laura Nerbl von den Opernfestspielen Heidenheim und der Musiker Stéphane Egeling berichten aus der Musikwerkstatt und über musikalische Kulturarbeit im ländlichen Raum und wie die Opernfestspiele auch außerhalb der Festspielsaison Netzwerkarbeit betreiben.

Mehr Informationen unter: www.lernende-kulturregion.de

Kontakt

Judith Bildhauer
Projektleiterin
„Lernende Kulturregion“
Landratsamt Ostalbkreis
Stuttgarter Str. 41
73430 Aalen
Tel. +49 (0) 7361 / 503 124 7
judith.bildhauer [​at​] ostalbkreis.de