Regionen
28/07/2017
Schwäbische Alb Lernende Kulturregion
Begnungsprojekt zum Thema "Geheimnis" der Opernfestspiele Heidenheim

Im Rahmen des TRAFO-Programms sind die Opernfestspiele in der Region um Heidenheim unterwegs.

30/05/2017
Schwäbische Alb Lernende Kulturregion
Schwäbische Theaterwoche im Landestheater Tübingen

Unter dem Motto "Heimattheater für die Welt – Welttheater für die Heimat" ist das Theater Lindenhof vom 30. Mai bis zum 4. Juni 2017 mit einer Werkschau von zehn Gastspielen zu Gast im Landestheater Tübingen (LTT).

Lernende Kulturregion Schwäbische Alb

Projekt-Dossier

 

Die Schwäbische Alb ist ein knapp 200 km langes Mittelgebirge in Baden-Württemberg, das sich in seinen Nordausläufern bis nach Bayern zieht. Sie ist vor allem durch „ländlichen Raum“ im engeren Sinne geprägt: dünnbesiedelte Agrarräume, Naturlandschaften, markante Felsen. Darüber hinaus ist sie reich an Burgen und alten Stadt- und Dorfkernen. Ein besonderes Merkmal dieser Gegend ist, dass sie von zahlreichen wirtschaftlich vergleichsweise starken Mittelzentren flankiert wird, die teils direkt an sie angrenzen. Zu ihnen zählen Biberach an der Riss, Ulm, Schwäbisch Hall, Reutlingen oder Sigmaringen.

Die Bevölkerungszahl ist aufgrund dieser Nähe bislang nahezu stabil. Allerdings werden auch hier in der Zukunft Rückgänge erwartet, die den ländlichen Raum vor neue Herausforderungen stellen werden: die Abnahme des Anteils an jungen Menschen, jungen Erwerbstätigen und Fachkräften. Es gilt daher, frühzeitig strukturpolitische Weichen zu stellen. Dabei kann ein Schlüssel sein, die Stadt-Land-Beziehungen zu stärken und die Attraktivität der ländlichen Gegenden hinsichtlich einer besonderen Lebensqualität zu entwickeln.

Kulturelles Erbe und Identität

Ein wichtiges Thema in dieser Region ist das kulturelle Erbe und ihre Identität. Es gibt Spuren frühzeitlicher Besiedlung wie die Pfahlbauten am Federsee oder den Limes, die beide zum Weltkulturerbe zählen, sowie bedeutende Funde von Elfenbeinskulpturen aus der Jungsteinzeit im Lonetal. Zudem verfügt die Modellregion über ein reiches ländliches Kulturleben – von kleinen Theatern und Museen, dem Wirken zahlreicher Künstler bis hin zur Wiedergewinnung lokaler Esskultur. Die Idee des TRAFO-Projekts „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ ist, diese ländliche Kultur weiterzuentwickeln und für mehr Menschen zugänglich zu machen. Denn so authentisch die Kulturangebote sein mögen – oft bleiben sie durch Ehrenamt, geringe Ressourcen, schlechte Erreichbarkeit und wenig Austausch in ihren Wirkmöglichkeiten begrenzt.

EU-Fördertöpfe für die Kultur öffnen

Ein besonderer Aspekt der Modellregion ist, dass die gezielte Förderung der Kultur hier erstmalig explizit als europäisches, strukturpolitisches Entwicklungsinstrument begriffen wird. Das Land Baden-Württemberg setzt ein Zeichen und öffnet die Förderkriterien des wichtigen EU-Förderinstruments „LEADER“ für die Förderung von Kulturprojekten. Modellhaft stehen diese nun in der Förderperiode bis zum Jahr 2020 erstmals zusammen mit den Mitteln der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ als ein Regionalfonds für Kulturprojekte zur Verfügung. Das TRAFO-Projekt „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ möchte auch kleine Einrichtungen auf der Schwäbischen Alb in die Lage versetzen, diese zu nutzen und Anträge zu stellen. Die Ergebnisse des Modells könnten bundesweit von Interesse sein.

Vier Kulturwerkstätten bespielen die Region

Das Projekt „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ will größere Kultureinrichtungen mit kleineren Kultureinrichtungen im ländlichen Raum der Schwäbischen Alb vernetzen. Dabei soll ein gleichberechtigter Austausch in Gang kommen, von dem beide Seiten profitieren. Zum Beispiel können die kleinen Kulturanbieter Impulse für ihre Vermittlungsarbeit und Rückenwind bei der Akquise von Fördermitteln bekommen, ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern und den Radius ihrer Ausstrahlung erweitern. Die großen Kultureinrichtungen in den Metropolen können Ideen aus den Themen des ländlichen Raums gewinnen und neue Zielgruppen erreichen. Als weitere Partner sollen Schulen eingebunden werden – aber auch Künstler, Vereine und engagierte Bürger.

Eine ganze Kulturregion vernetzt sich, um gemeinsam neue Qualitäten zu erreichen. Dafür werden verschiedene Werkstätten ins Leben gerufen, die sich mit den Sparten Museum, Theater, Musik und interdisziplinäre Kunst befassen.

Museumswerkstatt

Das archäologische „Federseemuseum Bad Buchau“, das durch seine Welterbe-Pfahlbauten bekannt ist, wird gemeinsam mit den drei kleineren Museen Bachritterburg Kanzach, Heuneburg und dem Keltenmuseum Hundersingen den Verbund „Museumswerkstatt Archäologie in Oberschwaben“ gründen, in dem Aktivitäten der kulturellen Bildung an den beteiligten Museen weiterentwickelt werden sollen. Gemeinsam wollen sie 15.000 Jahre Geschichte der Region vermitteln und dabei neue spielerische und interaktive Methoden der Publikumsansprache erproben und etablieren.

Theaterwerkstatt

Das städtische Landestheater Tübingen wird mit dem ländlichen Regionaltheater Lindenhof Melchingen kooperieren. Im Rahmen der Theaterwerkstatt „STADT.LAND.IM FLUSS” wollen die beiden Bühnen gemeinsam langfristig Programme für ein Stadt-Land-Publikum entwickeln. Dabei will das Tandem auch unkonventionelle Wege beschreiten und mit weiteren kleinen Kultureinrichtungen sowie mit Laien aus Vereinen, lokalen Künstlern und professionellen Theaterleuten gemeinsam Stücke inszenieren. Das Theater Lindenhof strebt darüber hinaus an, als Kultur- und Kommunikationshaus ein praktisch gelebter und genutzter Teil sowohl der unmittelbaren als auch der regionalen Bevölkerung zu werden.

Musikwerkstatt

Auch die Musikwerkstatt „OH! Für alle” – ein Austausch zwischen einem Opernfestival der Stadt Heidenheim und Bildungsreinrichtungen sowie jungen Musikern des ländlichen Raums – setzt auf das Urbarmachen von Kultur als Lebensqualität für alle. In struktur- und „kulturschwachen“ Gebieten wollen die Festspiele einerseits zeigen, dass die Inhalte aus Oper und Konzert universell sind, und anderseits insbesondere die Kinder und Jugendlichen besser erreichen, die nicht den Weg in die Opern- und Konzertveranstaltungen des Festivals „vor ihrer Haustür“ finden.

Werkstatt für interdisziplinäre Kunst

In der „Werkstatt für interdisziplinäre Kunst“ wird das Museum Villa Rot zusammen mit der Kunstbiennale „INTER!M“ interdisziplinäre und partizipatorische Kunstansätze im ländlichen Raum erproben. Leitgedanke ist, durch möglichst vielfältige, kontextuell ausgerichtete, Aktivitäten den ländlichen Raum als alten, neuen und künftigen Kulturraum sichtbar zu machen, um eine stärkere Identifikation der Menschen mit ihrer ländlichen Heimat zu ermöglichen, Kultureinrichtungen miteinander zu vernetzen, sie überregional bekannt zu machen und die Strukturen des kulturellen Lebens neu und nachhaltig aufzubauen.

Mehr Informationen unter: www.lernende-kulturregion.de

Kontakt

Judith Bildhauer
Projektleiterin
„Lernende Kulturregion“
Landratsamt Ostalbkreis
Stuttgarter Str. 41
73430 Aalen
Tel. +49 (0) 7361 / 503 124 7
judith.bildhauer [​at​] ostalbkreis.de