Regionen
24/03/2017
Saarpfalz-Kreis Kultur+
"Kultur+ im Saarpfalz-Kreis" bei "Kultur öffnet Welten"

Am 24. März 2017 gab die Leiterin des TRAFO-Projektes "Kultur+ im Saarpfalz-Kreis", Monika Mura, bei einem Regionalworkshop der Initiative "Kultur öffnet Welten" in St. Ingbert Einblicke in die laufenden Transformationsprozesse im Saarland.  

13/03/2017
Saarpfalz-Kreis Kultur+
„Think Tank der Kultur“: 2. Runder Tisch „Kultur+ im Saarpfalz-Kreis"

Am 10. März 2017 wurde der 2. Runde Tisch des TRAFO-Projekts „Kultur+ im Saarpfalz-Kreis“ im VHS-Zentrum in St. Ingbert eröffnet. Mehr als 70 Besucher trafen sich mit den bestehenden Kultureinrichtungen aus dem gesamten Landkreis, um gemeinsam Kooperationsprojekte zu entwickeln.

Kultur+ im Saarpfalz-Kreis

Der Saarpfalz-Kreis ist ein Landkreis im Südosten des Saarlands, zu dem die sieben Kommunen Homburg, St. Ingbert, Blieskastel, Bexbach, Mandelbachtal, Kirkel und Gersheim gehören. Im Zuge der industriellen Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert siedelten sich im urbanen Norden der Region zahlreiche Wirtschaftsunternehmen an. Im Süden hingegen blieb die ländlich-dörfliche Struktur erhalten. Von großer Bedeutung ist das UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau, das sich fast über das gesamte Kreisgebiet erstreckt.

In der Vergangenheit war das Saarland wesentlich von intensivem Steinkohlebergbau geprägt, was vor mehr als 100 Jahren zu einem rasanten Anstieg der Bevölkerung führte. Als die Montanindustrie niederging, folgte eine Strukturkrise mit hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung, die in den 1990er Jahren ihren Höhepunkt hatte. Ihre Folgen sind heute noch stark zu spüren. Weil in den vergangenen Jahrzehnten viele Bewohner fortzogen, fehlen heute vor allem junge Menschen. Unter anderem deshalb machen sich im Saarland die Folgen des demografischen Wandels etwa sechs Jahre früher als im Durchschnitt anderer westlicher Flächenländer bemerkbar. Bis 2030 wird für den Saarpfalz-Kreis mit einem Bevölkerungsrückgang um fast acht Prozent („Wer, wo, wie viele? – Bevölkerung in Deutschland 2030“. Datenreport der Bertelsmann Stiftung 2015) gerechnet. Mit den sinkenden Einwohnerzahlen schwinden öffentliche Einnahmen – und mit ihnen auch die Spielräume, kulturelle Einrichtungen zu unterhalten. Ein Potenzial dieser Region ist der traditionell stark ausgeprägte Gemeinsinn ihrer Bewohner. Ein deutschlandweiter Vergleich zeigt, dass sich im Saarland mehr Menschen in Vereinen engagieren als in den übrigen Bundesländern.

Durch „Runde Tische“ ins Gespräch kommen

Das TRAFO-Projekt „Kultur+ im Saarpfalz-Kreis“ will das starke bürgerschaftliche Engagement nutzen und setzt gezielt auf Bürgerbeteiligung in der Kulturentwicklung. Dabei beschreitet der Landkreis neue und unkonventionelle Wege, die Bürger aktiv in die Transformation seiner Kultureinrichtungen einzubeziehen: An jährlich stattfindenden „Runden Tischen“ kommen Kultureinrichtungen mit Kulturschaffenden, Vertretern von Vereinen, Schulen, Unternehmen und anderen Interessierten zusammen, um darüber zu diskutieren, wie ihre Kultureinrichtungen der Zukunft aussehen sollen. Dabei bringen Bürger ein, was gebraucht wird und was sich ändern soll. Die Kultureinrichtungen öffnen ihrerseits ihre Häuser und laden die Bürger/innen und Kulturakteure ein, ihre Programme mitzugestalten. Dazu gehen sie Kooperationen mit Vereinen, Künstlern und Bildungseinrichtungen ein. An den „Runden Tischen“ entstehen so Konzepte kooperativer Projekte, mit denen die Kultureinrichtungen gemeinsam mit Partnern im Saarpfalz-Kreis ihr Angebot weiterentwickeln.

Geförderte Projekte im Praxistest

Ausgewählte interessante Kooperationsprojekte werden einem Praxistest unterzogen und durch einen Regionalfonds finanziert, der im Rahmen des TRAFO-Projektes eingerichtet wurde. Ein besonderer Fokus liegt auf der Einbindung von Kindern und Jugendlichen in die Planung und Gestaltung von Kulturangeboten. Denn zukunftsfähige Kulturformate müssen nicht zuletzt den Bedürfnissen derer entsprechen, die sie künftig nutzen und tragen. Sie müssen angenommen und in der sich wandelnden Gesellschaft verankert werden.

Ein Transformationsbüro begleitet den Prozess

Für die Begleitung der Transformationsprozesse der Kultureinrichtungen wird im Saarpfalz-Kreis ein Transformationsbüro als Projektbüro und öffentliches Forum eröffnet. Das Büro steht allen Interessierten als Anlaufstelle für die Projektumsetzungen, als Kooperationsbörse und Kommunikationsort offen. Das Projektteam organisiert dort auch öffentliche Informationsveranstaltungen, Ausstellungen und Lesungen zu Themen rund um die Transformation des Saarpfalz-Kreises.  

Um auch andere Perspektiven zu gewinnen, lädt das Projektteam darüber hinaus Künstler ein, im Saarpfalz-Kreis mehrwöchige Residenzen zu beziehen. Sie können hier arbeiten, sich auf die Region einlassen und die Transformationsprozesse aus ihrer Warte – auch in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren – künstlerisch reflektieren.

Zum Hintergrund

Im Saarpfalz-Kreis sind ca. 15% der saarländischen Bevölkerung beheimatet, wobei diese zu 19% in Gemeinden und zu 81% in Städten lebt. Zwischen dem nördlichen Teil des Saarpfalz-Kreises, der Teil des urbanen Verdichtungsraumes ist, und den ländlich geprägten südlichen Gemeinden liegen nicht einmal 20 km. Als Landkreis mit einer stark gemischten Siedlungsstruktur muss der Saarpfalz-Kreis daher innovative Wege finden, um einer sich flächendeckend verringernden und stark alternden Bevölkerung auch in Zukunft tragfähige Kultureinrichtungen anbieten zu können.

Der Saarpfalz-Kreis arbeitet im TRAFO-Projekt „Kultur+ im Saarpfalz-Kreis“ eng mit dem Verein „Saarpfalzkultur e.V.“ (früher „Unser Bexbach e. V.“) zusammen. Der Verein wurde Anfang 2015 gegründet und verschreibt sich dem Ziel der Förderung der Jugend- und Altenhilfe sowie der Förderung von Kunst und Kultur. Hierzu sollen kulturelle Schulprojekte initiiert sowie die Arbeit gemeinnütziger Kultur- und Sportvereine im Saarpfalz-Kreis unterstützt werden. Insbesondere Fragen des demografischen Wandels will der Verein berücksichtigen. Kulturelle Institutionen im Saarpfalz-Kreis sollen durch neue Kooperationen gestärkt werden. Beim Projekt „Kultur+ im Saarpfalz-Kreis“ ist der Verein „Saarpfalzkultur e. V.“ zuständig für das Transformationsbüro – besetzt mit der Projektleiterin und der Kulturvermittlerin. Er organisiert u. a. die „Runden Tische“ sowie die Künstlerresidenzen, Ausstellungen und Lesungen. Der Saarpfalz-Kreis führt die zentrale Geschäftsstelle, übernimmt u. a. die Leitung der „Runden Tische“ und die Projektabrechnung.

Mehr Informationen unter: www.saarpfalzkultur.de

Kontakt

Monika Mura
Projektleiterin
„Kultur+ im Saarpfalz-Kreis“
Saarpfalzkultur e.V.
Saarpfalz-Park 1a
66450 Bexbach
Tel. +49 (0) 68 26 / 933 185 7
m.mura [​at​] saarpfalzkultur.de