Regionen
02/12/2017
Oderbruch Oderbruch Museum Altranft
DAS GASTMAHL - Finissage der Ausstellung DIE GÄSTEZIMMER

Am 2. Dezember 2017 findet die Finissage der Ausstellung DIE GÄSTEZIMMER mit Bürgern der Region und den beteiligten Künstlern statt.

16/09/2017
Oderbruch Oderbruch Museum Altranft
DIE HOCHWASSER: 17, 47, 97 - Gespräch im Oderbruch Museum Altranft

Im Rahmen der Ausstellung DIE GÄSTEZIMMER findet am 16. September 2017 um 15 Uhr ein Gespräch zum Thema DIE HOCHWASSER: 17, 47, 97 mit Bürgern der Region statt.

Oderbruch Museum Altranft - Werkstatt ländlicher Kultur

Projekt-Dossier

 

Das Oderbruch liegt im Osten Brandenburgs an der Grenze zur Republik Polen. Im Zuge der preußischen Kolonisierung im 18. Jahrhundert wurde dieses Land an den Ufern der Oder zu einer Agrarregion mit einem besonderen Entwässerungssystem. Seine Deiche, Kanäle und Gräben prägen bis heute die Flusslandschaft. In der Vergangenheit hat das Oderbruch tiefe Brüche erlebt. Im Zweiten Weltkrieg erlitten viele Gemeinden so dramatische Verluste und nahmen nach Kriegsende so viele Neuankömmlinge auf, dass es mancherorts nahezu zum Austausch der Bevölkerung kam. Seit den 1980er Jahren lockte die Landschaft zahlreiche Künstler und Aussteiger an, die hier Häuser kauften.

Nach 1990 kam es nach der Abwicklung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) zu hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Heute – 25 Jahre danach – fehlt fast eine ganze Elterngeneration und Prozesse des demografischen Wandels greifen daher besonders heftig. Bis 2030 wird ein Bevölkerungsrückgang von bis zu 20 Prozent erwartet („Wer, wo, wie viele? – Bevölkerung in Deutschland 2030“. Datenreport der Bertelsmann Stiftung 2015). Zuzügler gewinnt die Region aus der stark wachsenden Metropole Berlin, die meist jedoch nicht vor Ort arbeiten und nicht in den ländlichen Gemeinschaften verwurzelt sind. Die Landwirtschaft ist heute hochindustrialisiert und ertragreich, bietet jedoch nur wenigen Menschen vor Ort Beschäftigung. Wirtschaft und Kulturlandschaft, Geschichte, Umbrüche und Identität sind im Oderbruch heute fundamentale Themen.

Landkreis und freie Akteure der Region gehen aufeinander zu

Das TRAFO-Projekt „Transformation des Oderbruch Museum Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur“ setzt hier an und nimmt das Thema „Landschaft und Identität“ in den Fokus. Zentraler Ort des Projekts ist das Museum Altranft: ein In-Situ-Museum, das aus einem Herrenhaus und einem typischen Angerdorf besteht. Wegen mangelnden kulturpolitischen Rückhalts sollte es zum Jahresende 2015 geschlossen werden. Um einen Neustart zu wagen, finanzierten das Programm „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“, der Landkreis Märkisch-Oderland und das Land Brandenburg eine Neukonzeption des Museums – und vertrauten sie einer Reihe freier Akteure aus dem Oderbruch an. Auf dieser Grundlage wurde Ende des Jahres 2015 der Neustart des Museums beschlossen und sein Fortbestehen für mindestens fünf weitere Jahre garantiert. An die Stelle des ursprünglichen Direktoriums ist nun ein Museumsverein und ein Programmbüro getreten, die die Gestaltung von Themen und Inhalten explizit in die Hände der lokalen Bevölkerung legen. Im Rahmen des Programms „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ entwickeln die Bürger das Museum unter dem Namen „Oderbruch Museum Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur“ in den kommenden Jahren zu einem Werk- und Schauraum regionaler Identität weiter. Gleichzeitig wird die Sammlung des Museums mithilfe eines Sammlungsbeirates geprüft und neukonzipiert. Hierbei bezieht der Sammlungsbeirat auch die Bestände der Heimatstuben der Region in seine Betrachtung mit ein. Auch die regionalen Heimatstuben werden in ihrer Sammlungs- und Vermittlungsarbeit unterstützt und an das Oderbruch Museum Altranft angebunden.

Im Rahmen seines Transformationsprozesses bearbeitet das Oderbruch Museum Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur folgende Themen- und Fragestellungen:

Neue Aufgaben übernehmen
Was sollte ein Museum anbieten, das sich zu einer „Werkstatt ländlicher Kultur“ entwickelt? Mit wem sollte es zusammen arbeiten?

Regionale Fragen verhandeln
Mit welchen Formaten und Angeboten kann ein Regionalmuseum die Themen seiner Landschaft bearbeiten? Welche Anknüpfungspunkte zwischen Vergangenheit und Gegenwart können gefunden werden? Wie kann es traditionelle und neue Sichtweisen in Berührung bringen und fruchtbar machen?

Menschen der Region einbinden
Wie können Schulen und Kindertagesstätten für regionale Fragestellungen gewonnen werden? Wie gelingt es, lokale Akteure aus den Heimatstuben, Künstler und Kunstvereine sowie interessierte Bürger und Kommunalpolitiker in die Neugestaltung des Museums einzubeziehen?

Bezüge zwischen Mensch und Raum

Im Zentrum des neuen Konzepts steht die Frage, wie sich die Gesellschaft in ländlichen Regionen neu verortet: Wie lassen sich heute, da Wirtschaftsbeziehungen und Versorgung weitgehend von der eigenen Landschaft abgekoppelt sind, wieder Bezüge zwischen Mensch und Raum herstellen? Wie entsteht Verantwortung für ein Gemeingefüge? Was bedeuten heute Begriffe wie „Heimat“, „Arbeit“ und „Sesshaftigkeit“? Dabei überschreitet das Oderbruch Museum Altranft die klassischen Aufgaben eines Museums. Statt als Top-Down-Bildungseinrichtung versteht es sich als offener Kommunikations- und Vermittlungsraum, in dem verschiedene Partner der Region voneinander lernen und neue Formate der Vermittlung entwickeln. Alle, die heute die ländliche Gesellschaft konstituieren, werden ins Museum geholt.

Das Museum öffnet seine Räume und geht eine Reihe von Kooperationen ein – mit freien Künstlern, Vereinen, Heimatstuben, Schulen und anderen Einrichtungen der Region. Dafür werden im Rahmen wechselnder Jahresthemen lokale Experten aus dem Oderbruch ihr Wissen vermitteln: Handwerker, Mitarbeiter der Wasserwirtschaft, Bauern oder Gemeinderatsmitglieder sind eingeladen, ihr Wissen zu teilen, Schauräume mitzugestalten, Vorträge zu halten. Handwerker und Designer beispielsweise untersuchen alte Gewerke in ihrer Eigenart und im Hinblick auf neue Produkte und Gestaltungsformen. Zudem realisiert das Programmbüro gemeinsam mit Künstlern und Ausstellungsmachern künstlerische Interventionen in und mit dem Sammlungsbestand, um für die Leitfragen des Museums eine neue museologische und künstlerische Sprache zu entwickeln.

Landschaftliche Bildung

Eine weitere Initiative des Projektes bindet Schulen ein: Im „Netzwerk Landschaftliche Bildung“ entwickelt das Museum gemeinsam mit zehn Partnerschulen Ausstellungen, Theaterprojekte und Unterrichtsmaterialien. Einer der Museumsräume ist nun zu einer „Museumswerkstatt“ umgebaut worden und dient den Schülern und anderen Mitwirkenden als Ort zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Landschaft des Oderbruchs.

Bewohner erzählen ihre Region

Das „Netzwerk Kulturerbe Oderbruch“ generiert wiederum eine kollektive Erzählung, in der unterschiedliche Menschen ihre persönliche Geschichte des Oderbruchs vermitteln. Das Netzwerk bindet die Betreiber der Heimatstuben der Region und weitere Akteure ein und lässt diese zu Wort kommen. Aus den Erzählungen entsteht so eine Beschreibung des kulturellen Erbes der Region durch ihre Bewohner.

Die Region

Der Landkreis Märkisch-Oderland ist sowohl der östlichste Landkreis Brandenburgs als auch der östlichste Teil der Bundesrepublik Deutschland. Mit rund 190.000 Einwohnern ist Märkisch-Oderland der drittgrößte Landkreis in Brandenburg. Er grenzt im Norden an den Landkreis Barnim, im Osten mit der Oder an die Republik Polen, im Süden an die kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder) und den Landkreis Oder‐Spree sowie im Westen an die Bundeshauptstadt Berlin. Mit einer Ausdehnung von ca. 70 km in westöstlicher Richtung und ca. 58 km in nordsüdlicher Richtung beträgt die Gesamtfläche des Landkreises rund 2.130 km².

Entstanden ist der heutige Landkreis mit der Kreisstadt Seelow im Rahmen der Kreisgebietsreform von 1993 durch den Zusammenschluss der Altkreise Bad Freienwalde, Seelow und Strausberg. Seine historischen Wurzeln reichen indes ungleich weiter. Die Region blickt auf eine lange Besiedlungsgeschichte und viele historische Wendepunkte. Die ersten Siedlungsspuren datieren bis in die jüngere Bronzezeit um 1000 v. Chr. Bedeutsame historische Meilensteine der Region waren die Trockenlegung des Oderbruchs ab 1735, die Stein-Hardenbergschen Reformen ab 1807 oder der Baubeginn der Königlich Preußischen Ostbahn 1848.

Hintergrund

Die Projektleiter Kenneth Anders und Lars Fischer erklären in einem Textbeitrag, warum sie nicht mehr vom „Museum“ Altranft sprechen, sondern von einer „Werkstatt für ländliche Kultur“.

Der Landrat des Landkreises Märkisch-Oderland Gernot Schmidt berichtet im Interview zu Beginn des Jahres 2017, welche Rolle kleinere Museen wie das Oderbruch Museum Altranft spielen und warum sich die Politik 2015 dazu entschlossen hat, das Museum vor der Schließung zu bewahren.

Für das Jahr 2016 hat das Projektbüro des Oderbruch Museum Altranft einen Werkstattbericht erstellt, der ausführlich über die Aktivitäten im Rahmen des TRAFO-Programms informiert.

Weitere Informationen unter www.museum-altranft.de

Kontakt

Tobias Seyfarth
Amtsleiter
Schulverwaltungs-, Kultur- und Sportamt
Landkreis Märkisch-Oderland
Puschkinplatz 12
15306 Seelow
Tel. +49 (0) 33 46 / 850 680 0
kultur_trafo [​at​] landkreismol.de

Kenneth Anders
Projektleiter
„Transformation des Oderbruch Museum Altranft“
Schneiderstr. 18        
16259 Bad Freienwalde      
Tel. +49 (0) 33 44 / 333 911
k.anders [​at​] museum-altranft.de